Text: Melvin Schneider, Jana Miksch
📸 @davidkaliga, NIKE
🎥 by
@samtempleton

Vom ersten Halbmarathon zum größten Relay Race in Europe - Melvin ist innerhalb weniger Wochen zum festen Bestandteil der KRAFT Runners geworden. Warum die Orga einen Tag vorher umgeworfen wurde und warum wir über eine Kooperation mit Google Maps nachdenken, könnt ihr hier lesen!

Alles fing ganz unspektakulär an, als Marco mir am 17 April auf die Mailbox gequatscht hat: „Ey Melvin wichtige Sache, hast du vom 28.-29.06 Zeit? Ich musst innerhalb einer Stunde bescheid wissen, es geht um ein Race irgendwo im Europa.“ Natürlich habe ich zugesagt und erstmal gegoogelt, was für Läufe in Europa an diesem Wochenende stattfinden. Natürlich habe ich nichts gefunden…

Der erste Hinweis lag Ende Mai in meinem Emailpostfach. Ich war beim ersten Hood2Coast Rennen in Europa dabei. Als Läufer kennt man den Staffellauf, der in Portland von einem Berg (Hood, Nike Headquarter) zur Pazifikküste (Coast) führt. Gemeinsam mit anderen Läufern der KRAFT Runners, der Berlin Braves und dem Wayv Run Kollektiv sollte ich in den Niederlanden meine Heimatstadt Berlin representen. Gemeinsam haben wir zwei Teams aus jeweils 8 Läufern und 2 Fahrern gebildet.

Fast forward, nach knapp acht Wochen gemeinsamen Trainings-Donnerstagen kam ein Tag vor dem Abflug die Schock-Nachricht: Wegen Hitze wurde das erste von drei Legs abgesagt! Vom südlichen Ende der Niederlande sollten wir nach Zandvoort laufen, für jeden der acht Läufer waren drei Abschnitte geplant. Während in Berlin über 40 Grad angesagt wurden, hielt sich das Wetter im Norden Europas allerdings in Grenzen. An der Kürzung des Rennen konnten wir aber dennoch nicht ändern, also saßen wir am 27. Juni gemeinsam im Flieger Richtung Amsterdam.

Das BrayvKraftKollektiv

Das BrayvKraftKollektiv


Gelandet sind wir schließlich irgendwo im nirgendwo im Center Parcs in Eemhof - den Nike komplett für alle Teams gemietet hat. Mit ner Menge gutem Essen und Bier haben wir den Abend ausklingen lassen.

Freitag ging es Europe Headquarter von Nike, wo das Send Off Event stattfand. Neben zwei Autos haben wir Stifte und Tapes bekommen um unsere Wagen ordentlich zu bemalen. Mein Beileid an den Mitarbeiter, der das ganze Tape wieder abziehen und durch die Waschanlage fahren musste.
Bei Pimp my Car hätten wir zwar nicht gewonnen, aber auf die Bühne duften wir mit unseren Autos dennoch. Dort warteten Paula Radcliffe (Marathon Rekordhalterin) und Mo Farah (Doppelsieger 5 und 10K in London und Rio)auf uns. Eine einmalige Erfahrung, diese zwei Athleten einmal Live zu sehen und von Ihren Erfahrungen zu lernen.


READY, SET, GO? NO!


Mit zwei Schüssen wurde das erste Hood2Coast Rennen in Europa gestartet. Doch statt voll motiviert loszulaufen, ging es für uns erst einmal in ein Restaurant am See. Irgendwie komisch die Leute heiß zu machen und dann nochmal mit Essen vollzustopfen. Aber zu Essen sagt man nicht nein. Um 16 Uhr fiel dann endlich der offizielle Startschuss in Eindhoven. Für uns sollte es um 20:30 auf die Strecke gehen, gemeinsam mit NBRO, Track Mafia und Patta Running. Der Sinn hinter den verschiedenen Startwellen war der, dass alle Teams ungefähr gleichzeitig im Ziel kommen sollten.
Eugen und Jessica waren unsere Startläufer. Eugen natürlich ganz Standard mit Insta Story vorne weggebottet. Auf dem Weg zu den Autos die erste schlechte Nachricht, Eugen hat sich verlaufen. Anschließend lief jeder mit Handy und teilte seinen Live-Standort.


Dann der nächste Hammer, die Organisatoren hatten kurzfristig die Strecke geändert. Joey und Marco, der als nächstes laufen sollte, warteten am falschen Wechselpunkt. Kurzerhand musste Marco nochmal 5 Kilometer raushauen um an Willi zu übergeben. Innerlich dachte ich nur: „Na toll, dass wird ja großartig“.
Doch der Wechsel mit den Autos hat prima geklappt und gegen 02:30 morgens war ich endlich an der Reihe. Wie sollte es anders sein, bin ich natürlich viel zu schnell losgelaufen und nach einem Kilometer kam der erste Wendekreis. Ich habe mit einer anderen Läuferin gesucht, doch nirgends hing ein Schild. Weder Links, noch rechts oder geradeaus war irgendein anderer Läufer zu sehen. Maps hat mir angezeigt nach links zu laufen, also bin ich nach links. Doch falsch gedacht. Auf habe ich hinter mir eine andere Läuferin gehört: „falsche Richtung! Hier ist ein Schild geradeaus.“

Doch für mich war an umdrehen nicht zu denken, also habe ich Stur meinem Handy gefolgt und traf nur noch einen anderen Läufer an, der sich wohl auch etwas verirrt hatte. Am Ende kam ich doch gut am Wechsel an mit einem Kilometer weniger auf der Uhr. War wohl Kompensation dafür, dass Marco länger laufen musste. Nachdem Julian, unser letzter Läufer, fertig war, übergaben wir an das andere Auto und fuhren zum nächsten Wechselpunkt, wo wir gegen 5:30 morgens kurz schlafen konnten. 

Da es im Auto nach Schweiß stank und extrem stickig war, sind wir ziemlich schnell wieder wach gewesen. Moritz hat kurzerhand gemerkt, dass er in weniger als 30 Minuten wieder loslaufen sollte und sprang auf. Der Junge kann einfach zu jeder Tageszeit geilballern!


Gegen 9:30 kam dann mein zweiter Lauf. 10 Km davon 9 geradeaus ohne Schatten in der prallen Sonne. Die Temperatur hatte sich so früh am Morgen schon auf ca. 25 Grad aufgeheizt. Und zu allem Übel stand da plötzlich eine Baustelle - natürlich ohne Schilder. Ich lief rechts vorbei, was natürlich falsch war, also drehte ich nach knapp 500m um und lief entnervt links an der Baustelle vorbei. Es war so warm, dass es ziemlich anstrengend wurde. Mit nur einer Stunde schlaf und kaum etwas zu Essen im Magen lief ich weiter. Zum Glück hielten auf der Strecke andere Teams, die Ihr Wasser verteilten. Geschafft habe ich es dennoch und klatschte Julian ab, der den letzten Part der Strecke lief. Er hat so viel Gas gegeben, dass er sogar vor dem Team-Auto im Ziel war Knapp 35 Minuten später kam das zweite Team mit Daniel als Schlussläufer ins Ziel.

Am Strand wurden uns die Medaillen und Finisher Shirts überreicht. Gratis Essen, Bier und Massagen durften natürlich auch nicht fehlen. Bei der Siegerehrung kam dann die Überraschung, Platz 3 und 4 bei den Mixed Teams gingen an uns, dem #BrayvKraftKollektiv. Damit hatte wohl keiner wirklich gerechnet. 

Fazit: Hammer geiles Event, das Laufen und die Community haben für mich eine ganz andere Bedeutung bekommen. Allerdings hätte die Organisatoren die Strecke wenigstens einmal abfahren können um zu checken, ob die Beschilderung auch sichtbar und sinnvoll für alle Läufer angebracht ist.

Ein großes Danke auch an Niko, Eugen und Marco, für die Chance bei so einem Event dabei sein zu dürfen. Auf viele weitere gemeinsame Erinnerungen!

Comment