Text: David Kaliga, Jana Miksch
Bilder: Max Menning

2017 habe ich noch wie ein durchgeknallter Fanboy beim Speed Project der KRAFT Runners mitgefiebert und bin vollkommen verrückt geworden, wenn mal für eine Stunde keine Instastory zu sehen war. Doch dieses Jahr durfte ich live dabei sein.

Aloha, ich bin David, knackige 30 Jahre jung und hatte die Ehre, die KRAFT Runners dieses Jahr beim Speed Project 4.0 mit meiner Kamera zu begleiten. Nicht um Bilder zu machen, denn das ist Foto KRAFT Max Aufgabe, sondern zum Filmen. Die nächsten Zeilen erzählen euch den unvergesslichen Trip aus meiner Sicht.

Doch wo fängt man an zu erzählen? Wahrscheinlich, wie sich meine Mitreise überhaupt ergeben hat. Knapp zwei Wochen vor Abflug der Crew hatte ich ein paar Gespräche mit Marco und immer wieder erwähnt, dass ich das Speed Project 2018 gern filmen würde. Kurzerhand wurde die Idee innerhalb der Gruppe beraten und entschieden, dass ich mitkommen darf. Eine Entscheidung aus Crew Love und Freundschaft, denn es stand noch das Angebot eines professionellen Kameramanns im Raum. Zum Glück zählen auf so einer Reise die Vibes, die man als Gruppe hat und da habe ich scheinbar ganz gut reingepasst.

Auf den letzten Drücker habe ich mir von allen möglichen Leuten diverse Filmtechnik ausgeliehen und mich so gut wie möglich mit Max abgestimmt.

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10 Tage vor dem Abflug nach LA habe ich dann endlich mein Ticket gebucht. Natürlich nicht nonstop. Ich bin ganz unkompliziert von Berlin nach Moskau geflogen, hatte dort entspannte acht Stunden Aufenthalt, um dann noch einmal 12 Stunden in die USA zu fliegen. Ich bin halt der unkomplizierte Typ.

In unserem AirBnb Häuschen angekommen, wurde ich direkt von allen begrüßt und habe bereits das erste Bier in die Hand gedrückt bekommen. Ein Empfang ganz nach meinem Geschmack. Doch ich war ja nicht (nur) zum Trinken dort, also habe ich direkt meine Kamera ausgepackt und losgefilmt.

Meine persönliche Devise auf dieser Reise war:„alles festhalten, was geht, egal wie sinnlos“.

Abends wurde ein riesiges BBQ veranstaltet mit King Noah am Grill, einer Menge geiler Stimmung und Bierpong. Ich habe zwar jämmerlich versagt, war aber auf jeden Fall Sieger der Herzen.
In den darauffolgenden Tagen ging es vor allem um die Vorbereitungen für das Speed Project 4.0. Bedeutet, tägliche Läufe der Crew, Fotoshootings, Film Drehs, tägliche Kaffeekränzchen bei Menottis direkt unter dem Venice Sign, Burger futtern, Wohnwagen abholen und bekleben, weitere Filmtechnik kaufen und natürlich die Sonne genießen. Das Schwerste in diesen vier Tagen war jedoch zu entscheiden, was gefilmt werden soll und was nicht. Einen Tag lang habe ich nur Aufnahmen von Venice gemacht, einen anderen bin ich mit zum Bekleben des Wohnwagens gefahren oder habe die Fotoshootings von Max begleitet.

Wer mich kennt, weiß, dass ich jemand bin, der zwischendurch auch immer viel dummes Zeug labern kann und damit die Situationen auflockert und wenn meine Kommentare nicht reichen, schlüpfe ich eben in mein T-Rex Kostüm und twerke auf dem Dach des Wohnwagens. Da kann niemand widerstehen auch mal zu lachen. Ich war also nicht nur Kameramann, sondern auch T-Rex.

Eigentlich hatte niemand eine feste Rolle, jeder musste überall mal mithelfen. Anders funktioniert es bei so einem riesigen Projekt auch gar nicht, aber das macht es natürlich umso spannender und abwechslungsreicher.

Am Tag vor dem Start des TSP 4.0, gab es ein allgemeines Briefing mit allen Teams auf einem Gelände am Flughafen. Dort wurde die Tage zuvor schon unser Wohnwagen beklebt. Mehr als 40 Teams mit demselben Fahrzeug und mittendrin unser bunter Feuerball! GEIL. Ich möchte behaupten, das meistfotografierte Objekt der ganzen Reise. Die Aufmerksamkeit war auf jeden Fall auf unserer Seite.

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Als das Briefing losging und die Regeln erklärt wurden, kamen auch Geschichten aus den vergangen Rennen ans Licht, was bei mir eine enorme Aufregung hervorrief. Man hat gemerkt, wie die Teams und jeder einzelne Läufer unglaublich Bock auf dieses Rennen haben.

Für uns hieß der letzte Tag vor dem Rennen aber nicht, dass jeder entspannt die Füße hochlegen konnte. Nein. Einige haben das Haus aufgeräumt, andere vorbereitet und wieder andere wie ich, mit Nico und Eugen die Unmengen an Essen für das Rennen eingekauft. Was habe ich dabei natürlich gemacht? Richtig, sinnlos den Einkauf gefilmt. Hier einen Einkaufswagen und dort eine Palette Gatorade.

Als wir abends wieder am Haus angekommen sind, waren fast alle Taschen gepackt und Max und ich haben noch einmal sämtliche Steckdosen belegt, um unsere Akkus für Kameras und Co. aufzuladen. Gegen 24 Uhr hieß es dann aber auch für uns ‚ab ins Bett‘, wenigstens für drei Stunden…

Let the Race begin

…Um 03:00 Uhr klingelte der Wecker, die Laune am Zenit. Nur eine Stunde später sollte der Start des The Speed Project 4.0 sein. Die Crew war relativ ruhig und sicherlich auch müde. Es war eine gewisse Anspannung zu spüren. Hatten wir wirklich an alles gedacht?

Am Startpunkt, dem Santa Monica Pier, angekommen, ging auch bei mir der Adrenalinpegel schlagartig nach oben. Trotz der Uhrzeit war am Pier eine geile Stimmung und die Vorfreude, dass dieses unfassbar spannende Race gleich losgeht. Für mich hieß es ab sofort: Fokussieren, filmen und helfen, wo es nur geht.

4:00 Uhr, Startschuss, die Meute rastet aus und plötzlich sehe ich durch meinen Sucher in der Kamera Lukas „The Machine“ Kellner ganz vorne lossprinten. Ich versuche mit meinem Equipment wenigstens für 100 Meter dran zu bleiben, leider eher schlecht als recht. Die Jungs haben ein wahnsinniges Tempo vorgelegt. Von da an sind alle Teams wie kleine Ameisen in ihre Autos gerannt, um den anderen 40 Wohnwagen davonzufahren und nicht in einen Stau zu geraten.

Einer nach dem anderen lief durch im Dunkeln von Los Angeles in Richtung Stadtgrenze, von einem Wechselpunkt zum Nächsten. Die KRAFT Runners feuerten bei jedem Wechsel an und verbreiteten eine unglaubliche Stimmung.
Ich hatte, cool, wie ich bin, Inlineskates mit, die ich das letzte Mal mit 14 anhatte. Das war also nicht nur ziemlich uncool, sondern sah auch maximal beschissen aus. Aber ich muss zugeben, sie waren einfach praktisch um hinter unseren Läufern herzufahren, ohne die Aufnahmen zu verwackeln. Und ich schwöre euch, es war mindestens genauso anstrengend wie das Laufen. Hingefallen bin ich während des Races übrigens genau drei Mal. Aber nicht beim Fahren, sondern beim stehen – ich Trottel.

Als die Sonne langsam über den Hügeln von Kalifornien aufging, wurden alle allmählich wacher. Sonne bedeutete aber auch Hitze und die haben wir direkt zu spüren bekommen. Vor allem Niko, der eine wunderbare bergauf Passage hatte, in der er wirklich das letzte aus sich rausholen musste. Spätestens ab da habe ich auch gemerkt, was dieses Rennen einem abverlangt. In der Einöde angekommen, konnte ich auch endlich mal meine Drohne rausholen, um Noah und Marco auf ihren Legs zu filmen. Ich war allerdings nicht der Einzige. Eine richtige Nerdveranstaltung von fünfs erwachsenen Jungs, die mit ihren ferngesteuerten Fluggeräten um die beste Aufnahme kämpfen.

Das Race lief vor sich hin und zwischendurch hieß es immer wieder: Objektiv wechseln, Akkus aufladen, Speicherkarten leeren, einen Schluck (Zucker)Wasser zu sich nehmen, kurz mit allen quatschen, pinkeln, Inliner fahren oder im Kofferraum vom Begleitfahrzeug sitzen um zusammen mit Max, unsere Ballerina Steffi zu filmen und zu fotografieren.

Ich war total fasziniert von der Natur, die sich gefühlt mit jedem Kilometer verändert hat. Ein Traum für jeden Kameramann. Leider wurde es auch mit jedem Kilometer wärmer, wodurch es immer anstrengender wurde. Trotzdem ist das Lachen natürlich nicht auf der Strecke geblieben und es gab immer Zeit für Witze, lustige Sprüche oder geile Aktionen wie zum Beispiel Niklas oder Niko zu rasieren oder Max im Tütü durch die Wüste jagen.

Irgendwann ging die Sonne unter und mit der Dunkelheit kam auch bei vielen die Müdigkeit. Für die Läufer gab es nur noch einen Rhythmus: Laufen, Schlafen, Laufen, Schlafen. Die Nacht war unglaublich schön. Der Vollmond leuchtete hell in der Wüste und die Läufer erkannte man nur noch als wackelige Punkte in der Ferne.

Genauso müde wie die Läufer, war auch das Supportteam. Ich habe mich gegen Mitternacht selbst kurz auf die Couch gepackt und für 1,5 Stunden geschlafen. Die einzigen 90 Minuten, in denen ich nicht gefilmt habe, da ich wie gesagt nichts verpassen wollte. Es war einfach zu GEIL! Irgendwann wurde es eine kleine Herausforderung für uns, wie wir nun am besten drei Fahrzeuge aufteilen. Welcher Läufer wo drin sitzt und wer fährt. Schließlich habe ich den Wohnwagen gefahren. Nachts konnte ich eh nicht besonders viel filmen.

Im Death Valley ging dann auch wieder die Sonne auf und da wussten wir, das Ziel kann nicht mehr weit sein. Ein wunderschöner Moment. Die Wüste, der Sonnenaufgang und Niklas aka „Forrest Gump“ wie er endlich final das Team Alaska überholt und wir endgültig auf Kurs für den dritten Platz waren. Alles festgehalten auf Bewegtbild. Hier habe ich unglaublich viele Drohnenaufnahmen gemacht, weil die Landschaft einfach so toll war. Irgendwann ist nur leider einer der Akkus so leer gewesen, dass die Drohne in der Wüste notgelandet ist. Da bekommt man natürlich erst einmal Panik. Das Ding so zu steuern, dass es nicht auf irgendeinen Felsen kracht oder in einem Busch landet und die graue Drohne in einer Landschaft aus Grau und Beige zu finden. Ich, der alte Sherlock Holmes, habe aber auch diese Herausforderung gemeistert.

Zwischendurch haben wir schließlich noch einmal den T-Rex mitlaufen lassen, Bengalos gezündet und die Laufraketen rund um Paul und Co. angefeuert. Oh Shit, waren wirklich alle Läufer nach über 24 Stunden immer noch heftig schnell unterwegs? Ja, die hatten halt echt Bock – wie Niko sagen würde.

Auf den letzten Kilometern Richtung Vegas wurde es aber für alle noch einmal besonders hart. Laufen am Highway mit harten Steigungen, bevor es ins Tal von Nevada Las Vegas geht. Hier wurde schließlich entschieden, nur noch eine Meile zu laufen und dann zu wechseln. An einem Highway ist das eine echte Herausforderung. Für mich hieß es: Wohnwagen fahren, aus dem Wagen filmen, wenn ich geparkt habe, dann schnell vorfahren, um den nächsten Läufer einzusammeln. Gerade auf der Passage ins Tal sind aber noch einige schnelle Zeiten gefallen. Besonders wenn ich mich an Lukas erinnere.

Es war ein überragendes Gefühl endlich die Stadt zu sehen und zu wissen, dass es gleich zu Ende ist. Traurig aber schön zu gleich.

Das Finale war das Highlight, das gesammelte Team hatte sich einige 100 Meter vor dem Ziel mit dem letzten Läufer zusammengetan. Rauchbomben an, Bier auf und hoffen, dass die Polizei nicht gleich vorbeikommt, die ist in den USA nämlich nicht so locker drauf. Aber manchmal muss man eben einfach auf die Kacke hauen und dem Ruf der KRAFT Runners gerecht werden. Eine Laufcrew, die einerseits auf Performanceseite abgeht, das aber mit einer Lockerheit und Spaß verbindet, die dieses Team einzigartig macht. Niemand war bekannter bei diesem Rennen, als unsere Crew möchte ich behaupten. Natürlich muss auch dieser Moment festgehalten werden, also habe ich diesmal in jede Hand eine Kamera genommen und bin wie ein Esel bepackt mitgerannt - mal was ganz Neues....

Wer das berühmte Las Vegas Sign kennt, weiß, dass dort immer eine lange Schlange von Touristen steht, die darauf wartet, ein Foto zu machen. War uns in diesem Moment jedoch egal, wir sind einfach schreiend an allen vorbeigerannt, haben die Touristen eingenebelt und haben mit Bier umhergespritzt als wäre es Champagner. Ich glaube, die Leute haben sich gefragt, was mit diesen Jungs und Mädels eigentlich nicht in Ordnung ist. Doch wir haben es geschafft. Wir waren im Ziel und selbst ich musste mit den Tränen kämpfen. Freudentränen natürlich. Ich bin jemand, der das nicht verbergen kann, es war einfach ein überragendes Gefühl. Diese Teamleistung, diese Erfahrung, diese Anstrengung, alles musste jetzt raus und ich war nicht der Einzige, dem es so ging. Ich war einfach nur Stolz Teil dieser Reise gewesen zu sein und werde diesen Trip nie vergessen. Vielleicht laufe ich das nächste Mal ja selbst mit. Ich habe auf jeden Fall Blut geleckt.

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Nach dem Rennen ging es natürlich noch weiter, hier die Kurzfassung:

Jetzt hieß es einchecken und das erste Mal nach 37 Stunden duschen. Wenn, haben wir höchstens nach verwelkten Rosen „geduftet“.
Anschließend ging es zum Essen und spätestens da überrollte uns alle die Schlaflosigkeit der letzten Tage. Ich bin tatsächlich fast beim Essen eingeschlafen, was die Nacht nach dem Race umso entspannter machte. Am Tag danach fand die offizielle Poolparty des Speed Projects statt. Es wahres Fest. Wie ihr euch sicher denken könnt, sind auch da einige tolle Poolpartyaufnahmen entstanden, die wird allerdings niemals jemand zu Gesicht bekommen, da mir kurz darauf das Handy geklaut wurde, mit dem ich die Aufnahmen gemacht habe. Man kann eben nicht alles haben.

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An alle KRAFT Runner und Begleiter

VIELEN DANK, DASS ICH DABEI SEIN DURFTE. IHR SEID DER WAHNSINN, IHR MACHT BOCK AUF MEHR, IHR GEBT GEILBALLERN EIN GESICHT UND IHR MACHT LAUFEN EINFACH SPASSIG UND COOL.
ICH LIEBE EUCH, ALSO SO FREUNDSCHAFTLICH, OHNE ANFASSEN, NUR MIT ANSTOSSEN. IHR WISST SCHON. UNREIF ;)

Und jetzt 2:52 min Gänsehaut pur

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