Text: Niklas Marten, Jana Miksch
Bilder: Max Menning, David Kaliga


About

Sehr viel zur Geschichte des Vltava Runs ist nicht bekannt, da der Autor dieses Textes kein tschechisch spricht und zudem relativ faul ist, belassen wir es dabei, dass es sich hier um ein traditionsreiches Team-Relay Race handelt, welches vor allen in Tschechien bekannt ist.
Die Startplätze für 300 Teams waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Wir waren eins von zwei internationalen Teams. Gestartet wird in einer Gruppe von 9-12 Personen, wer BOCK hat sich die Regeln einmal zu Gemüte zu führen, kann das gerne hier tun. Die Strecke beträgt 360 Kilometer, Start ist im schönen Zadov im Böhmerwald und Ziel in einem Golfclub am Rande von Prag. eigentlich immer entlang der Moldau.


Strecke

Wer sich die Strecke genauer anschauen will, kann das gerne hier tun. Mit Wimpel und Leuchtstäben war der Weg sogar für die Nacht markiert, so dass man nahezu keine Karte benötigt. Es gibt 36 feste Wechselpunkte, wo Freiwillige sitzen, die die Übergabe überwachen und es Möglichkeiten zum Parken und Klos gibt. Insgesamt ist das Rennen also einwandfrei organisiert, so dass ihr mit wenig Vorbereitung eine geile Zeit haben könnt.

Die Strecke führt durch Wälder, über Berge (Mittelgebirge), entlang von Flüssen und Seen. Also eine richtig schöne, abwechslungsreiche Strecke mit wenigen Straßenpassagen, die zudem sehr wenig befahren sind. Begleitfahrzeuge und Läufer haben nahezu immer unterschiedliche Strecken zum nächsten Wechselpunkt.


Stimmung

Die Stimmung kriegt eine 1 (sehr gut), weil wir unglaublich viel Spaß hatten, obwohl so gut wie keiner Englisch sprach und der gemeine Tscheche schnell Reißaus nahm, sobald sich herausstellte, dass wir nur Englisch sprechen. Das wichtigste ist, dass ihr “Pojd, pojd, pojd!” (gespr. pud, pud, pud) könnt, was soviel wie “Go, Go, Go!” heißt und für uns zum meistgebrauchten Begriff des Wochenendes wurde. Weiterer Stimmungsmacher war der sogenannnte “Tschechische Schlussspurt”, der von vielen Läufern praktiziert wurde. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass der aktive Läufer auf den letzten 200m zu einem wilden Schlusssprint ansetzt, während der folgende Läufer sich in aller Ruhe fertig macht und bei der Übergabe der Staffelstab fallen gelassen wird. BOCK konnte man auf jeden Fall niemandem absprechen.

firsthalf-113.jpg


Organisation

Die Organisation verdient ebenfalls eine glatte 1 (sehr gut) mit Sternchen. Erstens dafür, eine Strecke von 360 Kilometern durchgängig für Tag und Nacht zu markieren und mit Streckenposten auszustatten. Zweitens für das Erarbeiten einer Route, die nicht ausschließlich öffentliche Verkehrsstraßen nutzt, sondern kreativ über viele Trails und Fußwege führt. Drittens gibt es ungefähr auf der Mitte der Strecke eine Turnhalle, die allen Teams zugänglich ist. Wenn ihr also mit zwei Autos unterwegs seid, kann ein Auto hier mal eine Pause für 3-4 Stunden einlegen, schlafen und “mittelmäßiges Gulasch” (Eugen Fink) futtern. Wechselt euch ein paar tschechische Kronen, denn auch an nahezu jeder Wechselstation verkaufen Helfer Kaffee, Würstchen und Brot.


Empfohlene Ausrüstung

Hier unsere Liste an Nahrungsmitteln, die ihr für die knapp eineinhalb Tage braucht. Einer der wichtigsten Dinge, die unbedingt zur Standardausstattung für ein gutes Race gehören, ist natürlich Bier!

Für die persönliche Ausstattung sind Laufschuhe mit gutem Profil, im Idealfall Trailschuhe, zu empfehlen, unbedingt zwei Paare mitnehmen, eins für Trailparts und eins für die Straßenparts. Ebenfalls ist eine starke Kopflampe für nachts zu empfehlen. Was passiert, wenn ihr mit Schuhen ohne Profil und einer Kopflampe mit einem Meter Leuchtradius lauft, seht ihr hier:

Klima

Wettertechnisch gab es alles, aber hauptsächlich Regen. Am Sonntagmorgen freute sich der Autor zusätzlich über eine starke Brise, die jedem Windfreund das Herz höher schlagen gelassen hätte. Stellt euch auf widrige Bedingungen und Konditionen, die damit einhergehen ein: dauerhaft nasse Klamotten, schlammige Wege und wenig Potenzial zum gepflegten Bräunen.

firsthalf-45.jpg

Fazit

Wer an diesem Race teilnimmt, sollte sich überlegen, warum er Relay Races läuft. Relay Races sind in den letzten Jahren immer populärer geworden und gehören fest zur Kraft Runners Kultur. 2016 liefen wir mit 6 Leuten von Berlin nach Hamburg, 2 Wochen Organisation, keine besonders aufregende Strecke, schlechtes Wetter und ein paar verpixelte Fotos. Trotzdem jede Menge Spaß und eine Stimmung, die man nur kennt, wenn man einmal 2 Tage mit seinen Freunden in einem Auto, ohne Schlaf, aber dafür jeder Menge schwitziger Klamotten verbracht hat.

Seitdem ist diese Form des Team-Races ziemlich durch die Decke gegangen, was die Teilnehmerzahlen beim legendären TSP (The Speed Project), der Ragnar Relay oder dem Hood to Coast Race zeigen. Nahezu jedes Team wird mittlerweile von einem Kamerateam + Photograph (uns eingeschlossen) begleitet und viele Runner träumen davon einmal an einem solchen Wettkampf teilzunehmen. Was mir bei dieser Jagd nach “instagramable” (Zitat unbekannt) Moments manchmal verloren geht ist das ungeplante, wilde, schmutzige, was einen dazu zwingt sich selber zu überwinden und gemeinsam mit seinem Team mit BOCK und Herz eine Herausforderung zu bezwingen.  Der Vlatava Run hat mich daran erinnert, was das Wichtige an einem Relay-Race ist, weil Instagram und Selbstdarstellung durch die äußeren Bedingungen von Vornherein zweitrangig waren. Der Vlatava Run ist für alle, die sich selbst herausfordern und mit Freunden an Ihre Grenzen gehen wollen, ehrlich and roh. Wir kommen wieder, nächstes mal TOP10!

scondhalf-303.jpg

Comment