Text: David Kaliga, Jana Miksch
Bilder: Max Menning, David Kaliga


Tschechien war für mich bisher nur Prag, Knödel & Gulasch und Bier und das alles für sehr wenig Geld. Ich glaube der Vltava Run hat das aber definitiv für mich geändert. 

Was heißt dieses unaussprechliche Wort „Vltava“ eigentlich? Ganz einfach „Moldau“. Der Vltava Run führt nämlich die ganze Zeit an der, oder in der Nähe der Moldau statt.

Fangen wir von vorne an…
Als Lukas mich vor ein paar Wochen spontan gefragt hat ob ich nicht bei diesem Lauf für die KRAFT Runners mitlaufen will, war ich positiv überrascht, weil ich ganz und gar nicht damit gerechnet habe. Habe ich mich gut auf den Lauf gut vorbereitet? Ich sage mal so, zu 80 Prozent hab ich mich meistens für Pizza entschieden. Shame on me…

Und plötzlich war der Tag da. Doch was packt man für so ein Wetter eigentlich ein? Ich hab nur die Wettervorhersage gesehen und gedacht: „Mal ist man der Baum, mal ist man der Hund“. In unserem Fall war es eher der Baum...
Regen, Regen, Regen, Kälte und Regen. Also hab ich wirklich von ganz kurz, bis ganz lang alles an Laufklamotten eingepackt, was ich hatte. Viel, hilft ja bekanntlich viel.

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FREITAG

Um 7 Uhr ging es vom Berliner Hauptbahnhof nach Prag. Vorher noch gesundes Frühstück beim Restaurant „Zur goldenen Möwe“. In Fachkreisen auch McDonalds genannt. 

Müde und zusammen mit Magda, Steffi, Nadine, Carla, Lukas, Max und Niko haben wir auf der 4 Stündigen Zugfahrt den ganzen Wagon unterhalten. 

Ich habe natürlich auch ein zweites Frühstück für alle vorbereitet. Ich sorge mich doch um meine kleinen Küken. Also hab ich erstmal feinsten Aperol Spritz ausgepackt den wir dann auch auf der gesamten Fahrt so ziemlich geleert haben, so dass wir dann auch bei Ankunft in Prag um 12 Uhr leicht einen Sitzen hatten.

In Prag angekommen sind Lukas und ich die Mietwagen holen gegangen. Beste Abholung ever! "Hallo wir sind Lukas und David und würden gern die Mietwagen abholen“ - „Hallo, hier habt ihr die Schlüssel und das sind eure Autos.“ Der Vermieter, wollte rein gar nichts von uns sehen. Keinen Perso, keinen Führerschein, rein gar nichts. Da hätte Wohl auch ein 14 jähriger kleiner Junge mit dem Namen Julius-Peter Fin aus P-Berg kommen können und hätte das Auto bekommen.

Nach der Abholung haben wir uns dann erstmal feinstes Prager Gulasch mit Knödeln gegönnt. Prag ohne Essen ist wie Aperol ohne Spritz….oder so.

Danach ging es nochmal 3 Stunden auf die Autobahn, um Richtung Startort in den Böhmerwald zu fahren, zwischendurch haben wir noch eingekauft, um direkt vorbereitet zu sein für den Lauf.

Die Nachzügler Maren, Eugen, Pierre, Niklas und Umut sind Abends dann auch noch dazugestoßen, so dass wir dann noch einen Schnaps und Abendessen zusammen genießen konnten. 



SAMSTAG

Am nächsten Tag ging es los. Für 11 Uhr war unser Start angesetzt. Beim Vltava Run startet man immer Grüppchenweise. 4 Uhr morgens starten die ganz „langsamen Teams“ und die schnelleren dann immer später, damit sich im Ziel am nächsten Tag möglichst alle Teams auf einmal Treffen. 

Unser 12er Team wurde auf 2 Vans aufgeteilt. 

Van 1: David, Eugen, Maren, Carla, Lukas und Niklas

Van 2: Nadine, Umut, Max, Steffi, Pierre, Magda und Niko.

Zuerst laufen alle Läufer aus Van 1 hintereinander, danach aus Van 2 und das immer abwechselnd bis man im Ziel ist. Ein Leg pro Läufer ist immer so ca. 10km lang und am Ende läuft jeder so ca. 30-40km.

Job und dann ging es in the middle of the middle of nowhere los. Eugen die Rakete durfte den Kick-Off machen. Das Wetter war am Anfang sogar noch ganz okay, ist aber schnell Richtung, Wind und Regen umgeschlagen. Ein bisschen Abenteuer muss ja auch dabei sein.

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Nach einigen Snacks, Kaltgetränken und vielen abgespulten Kilometern, haben alle schnell gemerkt, dass dieser Lauf kein ganz einfacher wird. 

Der Vltava Run besteht aus vielen unschönen Steigungen und auch einer guten Mischung aus Asphalt und Trail. Was passiert aber mit Waldwegen wenn sie nass werden? Genau, da wird ganz schnell Matsch draus. Ein Spaß für groß und klein. Am Ende macht das gerutscht, diesen Lauf aber auch nicht einfacher, wir haben uns aber in jedem Fall durchgebissen.

Hab ich übrigens schon erwähnt, dass alle Regeln und Beschreibungen die es bei diesem Lauf gibt in feinstem Tschechisch waren? Nicht mal Evgeny (Eugen) konnte uns da helfen. Deshalb haben wir uns auch am Anfang ein wenig Sorgen gemacht, ob wir die Wege finden und sowas. Ich muss dem Veranstalter aber ein Lob aussprechen. Zu jeder Zeit, hat man alles trotz tschechisch, kinderleicht verstanden. Die Streckenbeschilderungen waren klar und man musste immer wo man Langlaufen muss, Bei Tag und bei Nacht. 

Apropos Nacht.
Irgendwann ist die Nacht hereingebrochen. Umut war einer der letzten der bei Tageslicht laufen durfte und er war auch der erste der ordentlich den Matsch küssen durfte. Im Ziel angekommen sah sein Unterleib aus wie…..naja als wenn er im Matsch hingefallen ist. So anstrengend dieses Leg für ihn war, umso lustiger war für alle sein Anblick als er es geschafft hat. Auch für ihn. 

In der Nacht ging bei vielen die Angst umher. Viele sind noch nie Nachts gelaufen, nur mit Stirnlampe, über Stock und Stein. Ich persönlich muss aber sagen, war GEIL! Hatte auch zuerst Zweifel, aber das war echt was besonderes und ging gefühlt auch schneller vorbei also sonst. Nur ich, die Lampe und die Nacht. Sooo gut. Kurz vor meinem Nachtleg musste ich übrigens von Niklas übernehmen. Ihr dürft raten, wie er im Ziel angekommen ist. Genau! Genauso wie Umut, wenn nicht sogar noch schlimmer. Schlamm soll ja schöne Haut machen.

Nachdem unser Team mit Van 1 durch war gegen 1 Uhr Nachts, mussten wir uns unbedingt aufs Ohr hauen. Irgendwann waren wir schon ziemlich durch vom Tag. Also haben wir uns eine der vielen geöffneten Turnhallen gesucht, unsere Schlafsäcke geschnappt und uns auf dem Turnhallenboden für 4 Stunden mit vielen anderen Läufen hingehauen. Hatte was von Naturkatastrophe und Evakuierung.


SONNTAG

Am nächsten Morgen ging es dann zum nächsten letzten Leg für uns alle. Die Beine waren nach zwei Legs schon ein wenig schwer und müde. Das ganze im Auto sitzen, fördert die Regeneration der Beine natürlich nicht, aber da muss man durch. 

Schneller als man denkt, ist man dann auch schon mit seinen Legs durch. Ich Mus wirklich sagen, ich habe die ganzen Steigungen unterschätzt, die haben mich förmlich gekillt, aber man wächst ja an seinen Herausforderungen.

Nur noch Van 1 war on the Road, es ist mittlerweile Sonntag Mittag. An jedem Wechselpunkt hat Team Kraft Runners trotz der Strapazen jedes mal ordentlich Stimmung für alle Läufer gemacht und die Menschen ein wenig entertained. Leider sind viele Laufevents ja doch relativ steif. Ich glaube wir, haben eine menge positiver Vibes dort reingebracht und den Leuten gezeigt, dass es auch anders geht. Was gibt es schöneres, als von 12 untalentierten Sängern Aerosmith mit Dont wanna miss a thing vorgesungen zu bekommen? Genau! Nichts!

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Und dann war der Vltava Run auch schon fast vorbei. Niko durfte als letztes ran. Extra für uns ist auch nochmal die Sonne ein wenig rausgekommen. Das Ziel Prag war nach 380km endlich erreicht, mit viel Lärm, Lächeln und guter Laune sind wir dann mit Rauchfakeln als 24. Platz ins Ziel eingelaufen. 

Es ging nie darum, zu gewinnen oder ähnliches. DAs war ein Lauf für die Community. Um Freundschaft zu feiern und eine gute Zeit zusammen zu haben. Nichts anderes. Egal ob der eine Schneller oder Langsamer war, jeder wurde immer gleich angefeuert und das zeichnet die Kraft Runners aus. Jeder ist willkommen. Es war so gut Max Menning offiziell seinen ersten Lauf machen zu sehen, Er hätte sich sicherlich etwas einfacheres aussuchen können für das erste Mal. Aber wir wissen ja auch dass das erste Mal auch mal wehtun kann. #UNREIF. Genauso haben sich aber auch eine Carla oder Nadine super geschlagen und durchgekämpft. Alles keine Hardcore Läufer möchte ich sagen, aber dennoch mit Spaß und Freude bei der Sache. JEDER hat eine super performance abgeliefert.

Im Ziel angekommen, waren wir alle erstmal froh endlich was warmes zu essen. Für 29 Stunden nur Banenen, Riegel und Chips zu futtern macht nicht glücklich. Vor allem wenn es die ganze Zeit auch noch so nass und kühl ist. 

Alles in allem kann ich persönlich den Vltava Run für alle Laufbegeisterten nur empfehlen. Ein sehr gut organisiertes Rennen, mit viel Abenteuer und wundervoller Natur. Ich glaube ich werde nochmal für einen kurzen Urlaub zurück in den Böhmerwald kommen. Das hat das Laufen so viel angenehmer gemacht. Vielleicht schaffe ich es ja auch nochmal bei guten Wetter mitzumachen, wenn es sich nicht anfühlt als wäre man im Mai noch im Winter. Könnte sicherlich auch eine gute Experience werden. 

Ich freue mich aufs nächste Mal.
Küsschen aufs Nüssche.
Bis Spätersilie.
San Frantschüsko,
Bis Baldrian.
Ciao Kakao. 

Der David

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